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DeutschlandTour Teil 1: Ein Mal Süden quer rüber

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Das Ende meiner #EuropaTour ist ja eigentlich nur der Anfang meiner #DeutschlandTour und irgendwie dachte ich mir: Warum nicht genauso touristisch verklärt durch Deutschland fahren, wie durch Tschechien, Frankreich, Andorra? Eben. Kein Grund. Also los geht’s:

Endlich mal wieder Freiburg! Für Bühnenkünstler hat diese Stadt einen ganz besonderen Klang: Jedes Jahr findet dort die „Freiburger Kulturbörse“ statt, eine Art Fleischbeschau für Humoristen und ihre Auftraggeber. Da tritt man in einem Saal voller Veranstalter auf, präsentiert sein neues Programm und das Publikum beurteilt einen dann nach Unterhaltungswert, Gagdichte, Fellwuchs, Gebiss und erkennbarer Klauenseuche. Zum Glück habe ich diesen Test schon hinter mir und konnte deshalb einfach entspannt mein Soloprogramm spielen. Freiburg verfügt mit dem Vorderhaus - Kultur in der Fabrik nicht nur über eine meiner Lieblingsbühnen in Deutschland, sondern auch über eine meiner Lieblingsaltstädte. Ich mag diese zipfelig-verschnörkelten Hausdächer, die versteckten Gassen und Metallschilder an allen Geschäften und den Schwarzwald im Hintergrund - eigentlich ist Freiburg ein viel zu groß geratener Märchenwald, in den halt irgendwann aus Mangel an Märchen zu Hänsel und Gretel und dem Froschkönig noch ein paar echte Menschen gezogen sind. Echte Menschen aus Fleisch und Blut mit sehr echten Fahrrädern aus Alu und Stahl übrigens: Wer in Freiburg sowas Ähnliches wie eine Daseinsberechtigung haben will, sollte immer einen Ausweis des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs hochhalten. Sonst wird man sekündlich von irgendwelchen Radwegen weggebimmelt. Achtung: Nicht zu schnell nach links oder rechts ausweichen, denn durch die ganze Stadt führt ein Gräble mit Bächle zum Haxen-Brechle. Tückisch! Wer sich von dem Stress ein bisschen erholen will, dem empfehle ich einen Texas Burger im derfreiBurger - das einzige Wortspiel der Welt, das schmeckt.

Weiter ging es in die von mir wahrscheinlich am unfairsten behandelte Stadt Deutschlands: Stuttgart. Normalerweise komme ich hier am Bahnhof an, schlurfe zu meinem Auftrittsort, von dort ins Hotel und am nächsten Tag wieder zum Bahnhof. Meine „Discover Stuttgart!“-Lust wurde leider auch nicht unbedingt größer, seit die Bauarbeiten für Stuttgart21 begonnen haben und die ganze Stadt aussieht, als wolle man einen neuen Hollywoodstreifen drehen, Arbeitstitel: „Liebling, ich habe die Stadt umgegraben!“. Dabei gibt es hier natürlich genug zu sehen: Die Weinberge, den Schlossplatz und das Leuze (eines der vielen Thermalbäder in und um Stuttgart, wo man in Mineralwasserbecken sitzt, bis sich Millionen kleiner Mineralwasserbläschen auf der Haut bilden und man sich fühlt wie ein bebadehoster Limonadenstrohhalm). Übrigens hat Stuttgart auch eine der längsten Fußgängerzonen Deutschlands, in der der sparsame Schwabe auf immerhin 1,2 Kilometern tausend Möglichkeiten hat, kein Geld auszugeben. Jaja, schon gut, ich will hier nicht in uralte Schwabenklischees verfallen, aber ein bisschen lustig isses halt schon, dass ausgerechnet hier und nur hier nach der Show eine Zuschauerin an den Merchandising-Stand kommt, sich ein Buch nimmt, giggelnd und grinsend darin blättert, mich anstrahlt, „Desch klingt subber interessant!“ sagt und das Buch dann gänzlich ungekauft wieder zurücklegt. Zwischendrin und trotz aller Umbauarbeiten hat Stuttgart übrigens auch immer wieder die ein oder andere Überraschung parat, die einem kurz den Kiefer nach unten klappen lässt. Die recht neue, würfelige Stadtbibliothek zum Beispiel, die mit ihren blau erleuchteten Fenstern ein bisschen aussieht wie ein Puff für Schlaue. Gut: Eigentlich ist eine Bibliothek ja auch nichts anderes.

Da mal wieder ein Sturm über Deutschland fegte (erst „Xavier“, jetzt „Herwart“ - kann den staatlichen Sturmtiefbenennern bitte mal jemand die Drogen wegnehmen? Danke.), fuhr ich mit zahllosen Regionalbahnen weiter nach Ingolstadt, kam erst kurz vor Showbeginn dort an und merkte, dass ich deshalb absolut gar nichts von der Stadt sehen werde. Schade, denn was man bei Wikipedia so liest, klingt regelrecht spektakulär. Dort lerne ich auch, dass Ingolstadt im 16. Jahrhundert das Zentrum der Gegenreformation war. Ich hoffe also, dass alle Ingolstädter am Dienstag aus Protest gegen den Reformationstag demonstrativ zur Arbeit gehen. Macht Ihr? Brav. Ich dagegen fahre jetzt ins traditionell sehr protestantisch geprägte Köln und freue mich auf Dienstag. Yeah, Luther, Luther, olé olé! Der Luther war ne Kölsche Jung!
Schöne Woche!

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