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EuropaTour Teil 28: Die Rache der Auster

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Ich bin ja selbst schuld. Noch in meinem letzten Buch habe ich lang und breit über die allgemeine Unnötigkeit der Auster abgeledert (siehe hier). Und es ist ja wirklich so: niemand muss Austern essen. Die Situationen, in denen irgendwo auf der Welt ein Mensch stöhnt: „Boah, jetzt brauch ich ganz dringend ne Auster!“ sind wahrlich dünn gesät. Außerdem hatte ich schon bei meinem letzten Austernverzehr vor einigen Jahren das Gefühl, dass dieser glibberige Meeresrotz und meine inneren Organe nicht die dicksten Freunde werden.

Aber nee, dann sitzt der feine Herr Barth in einem südfranzösischen Strandrestaurant, fühlt sich wie Bimberla Wichtig, schwenkt sein Pastisglas und tönt weltmännisch: „Na, also hier MUSS man ja wohl Austern bestellen!“ Tja. Sechs Austern, einen Tag der offenen Tür bei sämtlichen Körperöffnungen und zwei nächtliche Ohnmachten inklusive Kopfbumsi auf hartem Wohnmobilboden später möchte ich hiermit schriftlich und für alle Ewigkeiten festhalten:
Die Auster und ich, wir sind geschiedene Leut'!

Dabei wollte ich eigentlich nur zum Ende unserer EuropaTour noch mal ein paar Highlights in Südfrankreich abfahren. Und davon gibt es hier jede Menge: Carcassonne, ein faszinierendes mittelalterliches Städtchen, das viele Deutsche nur als Brettspiel kennen, und das mit seinen verwinkelten Gassen, Türmchen und Mauern so jenseits unserer Zeit wirkt, dass man direkt die Schalmei auspacken und mit einem fröhlichen „Tanderadei!“ durch die Gassen hüpfen möchte. (Keine Angst, das war ein Scherz. Niemand braucht Schalmeien. Oder überhaupt Mittelaltermusik. Den Satz „Wenn doch jetzt mal jemand Schalmei spielen würde!“ hört man fast noch seltener als „Boah, jetzt brauch ich ganz dringend ne Auster!“)

Oder Saintes Maries de la Mer, einer meiner absoluten Lieblingsflecken in Frankreich, tief unten in der Camargue. Lustigerweise habe ich mal in einem Reiseforum einen Beitrag gelesen, in dem sich eine Dame darüber beschwerte, dass Saintes Maries ja wohl der allerletzte Ort sei, weil man da überhaupt nichts machen könne, außer auf den Markt zu gehen, durch die Camargue zu bummeln, oder aufs Meer zu gucken. Ja, äh… das ist ziemlich genau auf den Punkt gebracht, was ich an dem Kaff so liebe!

Und dann natürlich die Krönung zum Schluss: Nizza. Während man meiner Ansicht nach nahezu die gesamte Côte d’Azur in die Tonne kloppen kann (Cannes - warum? Saint-Tropez - wofür? Botox spritzen, vors Café hocken und hoffen, dass die InTouch vorbeikommt, kann man doch auch in Düsseldorf!), ist Nizza die große, wunderbare Ausnahme da unten: eine echte Stadt mit echten Menschen, wunderbaren Cafés und Restaurants und Eisdielen (bei der berühmtesten, Fenocchio, gibt es nicht weniger als 90 Sorten - von Honig-Pinienkern bis Tomate-Basilikum) und wer nicht weiß, woher die Côte d’Azur ihren Namen hat, wird nach einem Blick auf das Meer vor Nizza verstehen, verstummen und stundenlang gucken.

So. Und jetzt? Die vier Monate #EuropaTour sind fast vorbei. Mein Handyakku hält mittlerweile noch ziemlich genau ne halbe Stunde. Mein Datenvolumen für den Monat ist auch schon aufgebraucht. Ich habe vor drei Tagen meinen eBook-Reader in unserem Klappbett geschrottet. Gestern ging die Frischwasserpumpe kaputt und gerade fängt’s an zu regnen. Irgendjemand scheint uns sagen zu wollen: „Kommt, ist gut jetzt - fahrt nach Hause.“ Aber eines müssen wir noch erledigen. Mehr dazu in Teil 29. Nur so viel: Austern essen isses nicht.

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