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#DeutschlandTour, Teil 5: Baldeneysteig

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Ich gebe zu: Der Satz „Ich geh wandern im Ruhrgebiet“ klingt für mich immer noch ein bisschen wie „Ich mach Wellness in der Waschanlage“. Für mich als naturverwöhnten Maintal-Franken war das Ruhrgebiet jahrelang nur „Das Backsteingewusel zwischen Düsseldorf und Münster.“ Ja, ich weiß, bewerft mich mit Steinkohle, aber manche Sachen sind mir einfach fremd: Ich hatte mal einen Kollegen aus Recklinghausen, dem standen jedesmal Tränen der Rührung in den Augen, wenn er irgendwo einen rauchenden Fabrikschlot sah - da stand ich immer nur daneben und hab ihm etwas ratlos den Arm getätschelt.

Aber ich bin ja lernfähig und nachdem mir immer wieder Kollegen und Freunde davon vorgeschwärmt hatten, wie grün doch das Ruhrgebiet sei und da mir gleich mehrere Follower hier den Baldeneysteig wärmstens empfohlen hatten, dachte ich mir: Okay, Wanderschuhe an und Grubenhelm auf - ich probier das jetzt mal. Und, das gleich vorneweg: Es hat sich gelohnt!

Es geht ein bisschen klischeehaft los, denn die S-Bahn-Haltestelle Essen Kupferdreh ist auf jeden Fall der unromantischste Startpunkt für eine Wanderung, den man sich vorstellen kann. Es knattert und baggert an allen Ecken, es wird abgerissen und gebaut und über allem thront ein großer gelber Container mit der Aufschrift: „Der Stuhldoktor“. Vermutlich ruhrpottisch für „Proktologe“.

Aber dann ist man doch ganz erstaunlich schnell im Grünen und am geradezu lächerlich idyllischen Baldeneysee. Frösche quaken, Hunde bellen, Jogger stöhnen und gerade wenn man denkt: „Na, jetzt lauf ich aber schon ein bisschen lang hier am Ufer rum“, merkt man, dass man eine Abzweigung des eigentlich sehr gut ausgeschilderten Wegs verpasst hat. Also: ich.

Das „Steig“ in Baldeneysteig ist übrigens nicht gelogen: Der 27-Kilometer-Weg hat ein paar knackige Höhenmeter; entweder 400, 600 oder 800 - je nachdem, ob man auf der Homepage der Stadt Essen, bei Komoot oder bei „ich-geh-wandern“ nachschaut. Egal wie: Ein bisschen Anstrengung ist auf jeden Fall dabei.

Aber eben auch ganz viel Belohnung: Endlose Waldwege und idyllische Tümpel, Brombeersträucher und Weinbergschnecken, ein bisschen Industriekultur am Wegesrand (ratet mal, wer nichts davon besichtigt hat!) und plötzlich steht man auch mal neben glücklichen Kühen, schmatzendem Rotwild oder einem Alpaka - es wird nicht langweilig. Dazwischen immer wieder herrliche Ausblicke auf den See und man wundert sich schon arg, dass man einen ganzen Tag durch’s Ruhrgebiet latschen kann, ohne jemals auf Backsteingewusel zu stoßen. Ich bin Fan!

Fazit: Wer im Allgäu oder im Schwarzwald (oder im Maintal!) wohnt, muss für ein transzendentales Naturerlebnis vermutlich nicht nach Essen-Kupferdreh fahren. Aber NRWler, die Lust auf ne anspruchsvolle Wanderung haben, vielleicht verbunden mit ner kleinen Schifffahrt auf der Ruhr (dem, laut Plakat, „Amazonas des Ruhrgebiets“ - nur is’ aber mal wieder gut, Pottler!) und ner Runde Schwimmen, der ist auf dem Baldeneysteig ganz hervorragend aufgehoben.

P.S.: Da ich ja jetzt quasi eingemeindet bin, komme ich Ende August schon wieder nach Essen: Zu einer Open Air Show am 30.8. in der Zeche Carl. Tickets hier!

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