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Es geht weiter: #DeutschlandTour, Teil 2

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#DeutschlandTour, Teil 2: Wildnis-Trail im Nationalpark Eifel
 
Meine Freunde müssten Corona eigentlich dankbar sein. Seit bestimmt zehn Jahren liege ich allen in den Ohren, dass ich „auf jeden Fall mal diesen Wildnis Trail machen will“, „Am besten mitm Zelt!“, „Einfach mal Natur pur!“ und nicht selten sah ich in den Augen meiner Gesprächspartner ein nur mühsam unterdrücktes: „Ja, jetzt mach halt oder ich setz dich persönlich in die Postkutsche nach Monschau!“ Dann kam der Drecks-Virus und tataaa: Vier Tage Wildnis-Trail!
 
 
Allerdings ohne Zelt, denn wie ich zum Glück noch vor Reiseantritt gemerkt habe, liegt am Ende der einzelnen Etappen fast nie ein Campingplatz. Und wenn man so ne Tagesetappe hinter sich hat, sagt man eher selten: „12 Kilometer noch bis zum Campingplatz? Wuhuu! Los geht’s!“ Macht aber nichts, dafür gibt es sehr liebevoll geführte Hotels und Pensionen und wenn ich ehrlich bin: So richtig traurig bin ich auch auch nicht, wenn ich nach einer 30 Kilometer-Wanderung statt auf eine Thermarest auf ein Boxspringbett falle.
 
Eines gleich vorweg: „Wildnis“ ist ein sehr dehnbarer Begriff. Wer meint, er müsste sich auf diesem Trail mit der Machete den Weg durchs Urwaldgeäst schlagen und abends mit einem Grizzly per Faustkampf den bequemsten Schlafplatz ausboxen, wird wohl eher enttäuscht sein. „Wildnis“ heißt hier: Wenig Häuser, wenig Menschen, aber trotzdem sehr gut ausgebaute Wanderwege (manchmal ein bisschen zu gut ausgebaut: Bei meterbreiten Forststraßen kommt kein rechtes Rüdiger Nehberg-Feeling auf).
 
 
Vorteil: Die Strecke ist geradezu streberhaft ausgeschildert. Wer keine Lust hat, mit einem Buch oder einem GPS-Gerät in der Hand zu wandern und sich seine Wanderstrecke aus einem Sammelsurium an Tiersymbolen und Buchstaben an Bäumen und Steinen zusammenzupuzzeln, ist hier fantastisch aufgehoben: An jeder Abzweigung zeigt ein Wildkatzensymbol wo’s weitergeht. Wirklich an jeder. Wer sich hier verläuft, sollte vielleicht insgesamt lieber nicht ohne Begleitung vor die Tür.
 
Die erste Etappe ist auch gleich die längste: 27 Kilometer von Monschau-Höfen nach Einruhr. Wer wie ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, kann noch mal zwei Kilometer für die Strecke von Monschau nach Höfen draufrechnen. (Und wer dann noch in Aachen Rothe Erde seinen Bus verpasst, zum Hauptbahnhof läuft und dabei erst noch zehn Minuten in die falsche Richtung strunkelt, kommt deutlich über 30 Kilometer - aber hey, wer macht schon sowas?!)
 
 
Vor allem auf der ersten Etappen kommt man aus dem Gucken gar nicht mehr raus: Durchs Tal schlängelt sich der Perlenbach, die Wiesen sind Bärenmarke-Reklamig-Grün, Brombeerranken kriechen links und rechts an den Wegrand (Bin eh überzeugt: Brombeerranken übernehmen irgendwann die Weltherrschaft!), zwischendrin steht trotzig der Fingerhut und überall zwitschert’s und rauscht’s und plätschert’s. Man ist fast enttäuscht, wenn man am Abend im plötzlich viel zu trubelig wirkenden Einruhr (595 Einwohner! Hexenkessel!!) ankommt.
 
 
Etappe 2 ist ein bisschen hinterfotzig, da sie erst recht gemütlich am Rursee-Ufer startet, dann aber sehr knackig und lang nach oben zur ehemaligen Nazi-Ausbildungsstätte Vogelsang und weiter nach Gemünd führt. Etappe 3 führt durch die Buchenwälder des Kermeters (schreib’ ich hier so fachmännisch hin, wusste aber natürlich vorher auch nicht, dass das ein Höhenzug ist, dem der Nationalpark seine Entstehung verdankt), zum Trappistenkloster Mariawald. Da isst man traditionell die legendäre Erbsensuppe und kann mit ein bisschen Glück Konversationsperlen der anderen Gäste aufsammeln: „Ihr Hund, das könnte ein Berger de Pyrenée sein!“ - „Nee, dat is dat Julchen, die hamwer aus Spanien!“
 
Apropos Tiere: Neben der Wildkatze auf den Wanderschildern sieht man davon nicht allzu viel: Ein paar Käfer, Weinbergschnecken, der ein oder andere Waldameisenhügel und ein paar Rehe - das war’s schon fast. Ach ja, und irgendwann stand plötzlich eine Herde Eifeler Landrinder auf dem Weg. Mit Hörnern. Sehr langen Hörnern. Wenige Sekunden später standen mein Hund und ich nicht mehr auf dem Weg, sondern machten einen respektablen Umweg über die angrenzende Landstraße.
 
 
Etappe 4 ist die kürzeste und wenn man ehrlich ist, führt die auch einfach nur ein bisschen schnörkelig von Heimbach zur Endstation, dem Bahnhof von Zerkall. 18 Kilometer, da lacht man nach den ersten drei Etappen ja drüber. Es sei denn, man vergisst erst sein Handykabel im Hotel und geht deshalb nochmal 2 Kilometer zurück, läuft dann wieder los, merkt nach weiteren drei Kilometern, dass man in die falsche Richtung gelaufen ist und dreht wieder um. Aber hey, wer macht schon sowas? <img src="https://static.xx.fbcdn.net/images/emoji.php/v9/ta4/2/16/1f926_200d_2642.png" alt="

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