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Es geht wieder los: #DeutschlandTour

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#DeutschlandTour, Teil 1 - Pfalz

Dass die Pfalz schön ist - davon muss man mich nicht groß überzeugen. Seit meiner Hochzeit bin ich ja quasi zwangseingepfalzt und habe viel Zeit in der „Toskana Deutschlands“ verbracht, sehr viele Gläser Wein getrunken, Feigen direkt vom Baum gepflückt und mehr als einmal so getan, als würde ich den Dialekt (weniger eine Sprache, eher ein Gesang ohne Refrain mit nem ordentlichen Schuss Froschteich) verstehen.
 

Zu keiner Region Deutschlands kamen nach meinem Aufruf so viele Tipps wie zur Pfalz und deswegen kann man damit ja direkt mal anfangen. Es ist auch einfach verdammt schön da: Riesige Weinberge und kleine Dörfer, überall hängen schmiedeeiserne, goldverzierte Schilder an den Hauswänden, es grünt und blüht das ganze Jahr, der Wein fließt in Strömen und damit‘s nicht zu mediterran wird, gibt es die unmediterranste Nationalspeise, die man sich überhaupt vorstellen kann: den Saumagen. Wer allerdings glaubt, dass „Saumagen“ die unsexieste Bezeichnung für ein Fleischgericht ist, der hat noch nie vom „Schiefen Sack“ gehört (eine Bratwurst, die phallisch neben einen leicht hodesken Leberknödel drapiert wird).
 

Wir wandern im Pfälzerwald rund um Leistadt zum Ungeheuersee, der übrigens nichts mit einem Ungeheuer zu tun hat, wie die bayerischen Beamten im 19. Jahrhundert vermuteten. Das Wort kommt von „Unger“ (Waldweide) und „Heyer“ (Gehege) - die Pfälzer waren offensichtlich schon früher nicht ganz einfach zu verstehen. Auf dem Weg kommt man an der Laurahütte vorbei, einer Jagdhütte im Stil eines griechischen Tempels, die ein Pfälzer Jäger seiner Gattin gewidmet hat. Auch ne Diskussion, bei der man gerne dabeigewesen wäre:
Laura: „Du bist immer nur mit deinen Jägerkumpels unterwegs!“
Er: „Ja, aber dann sitzen wir in der Hütte, die sehr weit weg und sehr hoch oben ist und wo ich nie mit dir hingehe, aber die ich nach dir benannt habe. Ist das nicht toll?“
Laura: (schmoll, brummel, groll)

Später landen wir mit dem Wohnmobil im Edelweinort Kallstadt. Wir machen eine Weinprobe und die freundliche Winzerin springt vor Freude schier aus der Blumenbluse, als wir ihren Blanc de Noir loben. Sie erzählt voller Stolz von ihren Erfolgen bei internationalen Weinprämierungen, spricht aber auch über den immer schwieriger werdenden Kampf gegen die Trockenheit und traubenhungrige Tiere: Regelmäßig fallen Stare über die Weinberge her und was die Stare übrig lassen, fressen die Wildschweine. Man spürt die Anstrengung und will ihr schon fast empfehlen, über neue Geschäftsfelder nachzudenken - Wildschweinsalami und „Star au vin“ vielleicht - aber dazu ist der Wein einfach zu gut.
 

Zum Abendessen landen wir in einem Restaurant, dessen Chef praktischerweise Metzger ist und es gibt, natürlich, den Schiefen Sack. Und eines kann ich versprechen: Wer in der Pfalz mal ne echte Bratwurst gegessen hat, der wird sich in Zukunft den verschrumpelten Fleischmatsch im Papier-Darm, den man auf Deutschlands Weihnachtsmärkten als „Bratwurst“ bekommt, eher sparen.

Satt und glücklich fallen wir ins Wohnmobil und ich recherchiere noch ein bisschen. Fun Fact: Die Kallstädter werden von den Einwohnern der Nachbargemeinden gerne als „Brulljesmacher“ (Sprücheklopfer) bezeichnet. Und passenderweise stammt wer aus Kallstadt? Genau, die Vorfahren von Donald Trump. Die wurden aber irgendwann vom Rest des Dorfs in die weite Welt geschickt - vermutlich der bisher effektivste Beitrag zur Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“.

Nächster Halt: Nationalpark Eifel. Jemand Tipps für Gemünd und Heimbach?

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